Entrümpeln befreit

MODERNES LEBEN | Artikel vom 21.08.2015 | Text von Redaktion

Entrümpeln befreit


Gemälde Strandkorb  |  Foto © Redaktion

Möchten Sie gerne entrümpeln, wissen aber nicht genau wie und wo Sie anfangen sollen? In diesem Artikel bekommen Sie viele hilfreiche Tipps und Tricks, wie Sie endlich den Überblick zurück zugewinnen. Mehr Platz für Neues und mehr Freiraum erwarten Sie!

 

Stellen Sie sich vor Sie wären gerade am Meer und spüren den warmen Sand unter Ihren Füßen. Die Wellen rauschen, Möwen kreischen und die Sonne brennt. Sie gehen am Strand entlang. Als das kalte Wasser Ihre Beine berührt springen Sie zurück. Ihr Blick schweift in die Ferne. Am blauen Horizont erscheint ein Segelschiff. Sie können mit ihm reisen wohin Sie wollen!

 

So losgelöst und frei fühlen wir uns selten. Höchstens im Urlaub, wenn genug Distanz zu unserem Alltag vorhanden ist. Jedoch belasten uns nicht nur alltägliche Verpflichtungen und Sorgen. Auch materieller Besitz will etwas von uns. Frühere Generationen sammelten für schlechte Zeiten, doch heute haben wir meistens zu viel. Obwohl wir das wissen fallen wir auf Werbung herein, die uns weiß machen will, dass uns noch das ein oder andere zum Glücklichsein fehlt. Auch wenn wir die unterschwelligen Tricks der Werbeindustrie längst kennen, sehnen wir uns heimlich nach dem neuen Spielzeug, das der Nachbar oder die Freunde seit kurzem besitzen. Doch brauchen wir das wirklich?

 

Würden wir uns nicht wieder freier und losgelöster fühlen mit weniger Besitztümern? Denn sie brauchen Platz, Zeit und kosten Geld. Außerdem müssen sie aufgeräumt, sortiert, gelagert, gesäubert, gepflegt, repariert und natürlich bezahlt werden. Wie fühlt es sich an, wenn man nur noch das besitzt, was man wirklich braucht?

 

Fühlen Sie auch eine Leichtigkeit bei diesem Gedanken? Vieles lagert sicher auch bei Ihnen schon seit Jahren unbenutzt in Schränken oder Kisten. Wegschmeißen ist zu schade und wer weiß, vielleicht brauchen Sie es irgendwann noch einmal? Außerdem war es teuer. Doch sind das genug Gründe all den Krempel mietfrei bei Ihnen wohnen zu lassen? In einfachen Schritten erfahren Sie nun, wie man Dinge loslassen kann und Platz für Neues schafft. Sind Sie bereit? Dann geht es jetzt los!

 

Warum fällt uns das Loslassen von materiellen Dingen überhaupt so schwer? Wenn wir uns von einer Sache nicht trennen können, dann war es vielleicht einmal teuer. Vielleicht plagen uns auch Verlustängste und wir glauben es irgendwann noch einmal zu brauchen. Erinnerungen und Emotionen, positive wie negative, werden oft an Gegenstände gekoppelt. Es bringt nichts etwas zu behalten wofür wir einst lange sparen mussten, wenn es nur herum liegt. Die meisten Sachen sind im Überfluß vorhanden und könnten im Zweifel wieder gekauft werden. Und wie steht es mit den Erinnerungen und Gefühlen? Aber nun der Reihe nach!

 

Zuerst kommt die Bestandsaufnahme. Werden Sie sich bewußt was Sie besitzen. Gehen Sie durch alle Räume, falls vorhanden auch Abstellkammer, Keller und Dachboden. Öffnen Sie die Schränke, Schubläden, Kisten und lassen Sie die Eindrücke auf sich wirken. Oft erschlägt einen die Masse zunächst. Suchen Sie sich nun einen Raum in dem Sie mit Entrümpeln beginnen möchten. Achten Sie dabei auf Ihr Gefühl. Haben Sie sich entschieden, dann suchen Sie sich in diesem Raum wiederum eine Stelle von wo aus Sie beginnen möchten. Sie können sich im Uhrzeigersinn durch das Zimmer arbeiten.

 

Stellen Sie große Kisten, am besten Umzugskartons bereit. Diese teilen Sie in drei Kategorien: erstens „BEHALTEN“, zweitens „WEISS NICHT“ und drittens „KANN WEG“. Entscheiden Sie sich am Anfang für nur eine Schublade oder ein Regal- bzw. Schrankfach. In kleinen Schritten kommt man besser zum Ziel, weil man sich nicht überfordert fühlt. Das ist wichtig, sonst verliert man schnell die Lust. Sie können sich auch einen Wecker stellen um eine vorgegebene Zeitspanne durchzuarbeiten. Räumen Sie zunächst alles aus dem betreffenden Bereich heraus und verteilen Sie es auf einem Tisch oder dem Fußboden. Säubern Sie die Möbel, dann macht es auch mehr Spaß die schönen und nützlichen Dinge wieder einzuräumen.

 

Nehmen Sie nun jedes Teil einzeln in die Hand und beantworten Sie folgende Fragen. Zugegeben das ist ein wenig Arbeit, aber sehr effektiv! Es hilft Ihnen zu verstehen, warum Sie etwas besitzen und vielleicht nicht loslassen können. Außerdem wird Ihnen bewusster was Sie wirklich benötigen und behalten möchten.

  • Haben Sie den Gegenstand innerhalb des letzten Jahres benutzt? Was man länger als ein Jahr nicht gebraucht hat, wird man wahrscheinlich auch in Zukunft nicht mehr benötigen.
  • Wussten Sie noch, dass Sie es besitzen? Nein? Ein klares Zeichen, dass Sie es nicht mehr brauchen!
  • Haben Sie es in mehreren Ausführungen? Dann behalten Sie nur eins.
  • Ist es kaputt? Wenn sich die Zeit und Reparatur nicht rechnet, dann sortieren Sie es aus oder kaufen es gegebenenfalls lieber neu.
  • Ist es halb fertig oder liegen geblieben? Wenn Sie keine Lust und Zeit haben es zu ende zu führen, dann lassen Sie los und sortieren es aus.
  • Verbinden Sie eine Emotion oder eine Erinnerung mit dem Gegenstand? Dann fragen Sie sich welche und ob ein Foto genügen würde um diese lebendig zu halten. Wenn es jedoch negative Gefühle hervorruft, dann lieber gleich weg damit.
  • Können Sie es digitalisieren z.B. einscannen und damit mehr Platz schaffen?
  • Mögen Sie den Gegenstand?
  • Passt er noch zu Ihrem jetzigen ich?
  • War es ein Fehlkauf? Wenn ja, dann sollten Sie ehrlich sein und das Teil aussortieren.
  • Wenn es dir jemand klaut, würden Sie es neu kaufen?
  • Ist der Gegenstand in diesem Zimmer am richtigen Ort?
  • Ist er wertvoll?
  • Bei Klamotten, Schuhen und Accessoires gibt es einen besonderen Trick: Wenn Sie sich nicht sicher sind, tragen Sie die Sachen einen Tag lang und beobachten Sie sich, wie Sie sich dabei fühlen.

Sortieren Sie nun die Gegenstände in die vorgesehenen Bereiche. Wollen Sie etwas behalten und ist es in diesem Raum richtig, dann stellen Sie es zurück in den gesäuberten Bereich. Achten Sie darauf, dass immer gleiches zu gleichem gestellt wird. So findet man es leichter. Stellen Sie nichts verdeckt hinter-, oder übereinander. Gehört der Gegenstand in einen anderen Raum, kommt er in die Kiste „BEHALTEN“. Sind Sie sich unsicher, dann legen Sie ihn in die Kiste mit der Aufschrift „WEISS NICHT“. Diese wird, wenn sie voll ist, mit einem Datum versehen, zugeklebt und ca. 3-6 Monate weg gestellt. Öffnen Sie die Kiste nach dieser Zeitspanne und stellen Sie sich erneut die oben genannten Fragen. Alles was nun übrig bleibt kommt in die Kiste mit der Aufschrift „KANN WEG“.

 

Wohin mit den aussortieren Sachen? Alles was noch in Ordnung ist und von anderen gebraucht werden kann wird verschenkt oder verkauft. Dazu gibt es je nach Geschmack und Zeit mehrere Möglichkeiten. Vieles findet auf dem Flohmarkt einen passenden Käufer. In Zeitungen, schwarzen Brettern oder Internet findet man ebenfalls viele Interessenten. Besonders beliebt sind Internet Auktionshäuser. Hier kann es auch die ein oder andere finanzielle Überraschung geben. Klamotten kann man bei Kleidersammlungen abgeben. Nicht mehr zu gebrauchende Sachen müssen in den entsprechenden Müll entsorgt werden.

 

Juckt es Sie nun in den Fingern und möchten Sie am Liebsten direkt mit entrümpeln anfangen? Denken Sie daran in kleinen Einheiten zu beginnen, damit Sie nicht vor einem unüberwindbaren Berg stehen. Vielleicht wird sogar bald ein ganzer Schrank oder Regal überflüssig und schafft ungewohnten Freiraum. Sie werden eine Menge Geld sparen, indem Ihnen klarer ist was Sie wirklich benötigen. Es werden natürlich immer wieder neue Dinge bei Ihnen einziehen. Fragen Sie sich bei anstehenden Kaufentscheidungen zunächst, ob Sie es wirklich brauchen und wo Sie es unterbringen können. Oft hilft es, eine Nacht darüber zu schlafen. Nehmen Sie sich immer wieder Zeit zum Entrümpeln. Warten Sie damit nicht bis Sie alt sind, sich verkleinern müssen und die Dinge schweren Herzens abgegeben werden.

 

Genießen Sie Ihre neu gewonnene Freiheit! Zugegeben, richtiges Entrümpeln dauert, aber Sie werden von einem befreienden Gefühl belohnt. Sie erlangen den Überblick zurück und haben mehr Platz für sich und neues. Außerdem sparen Sie viel Zeit beim Saubermachen, weil nicht mehr so viel herum liegt. Sicher entwickeln auch Sie ein gelasseneres Gefühl gegenüber materiellem Besitz und Ihr Blick lenkt sich wieder auf das Wesentliche.