Glücklich mit Balian Buschbaum

INTERVIEWS | Artikel vom 09.10.2015 | Text von Redaktion

Glücklich mit Balian Buschbaum


Balian Buschbaum in Mainz  |  Foto © Redaktion

„Komm wir setzen uns hierher!“ sagt Balian und macht es sich mitten auf der Tartanbahn bequem. Ich lasse mich nicht lange bitten und nehme neben ihm Platz. Wir befinden uns am Olympiastützpunkt in Mainz. Der 35-jährige war erfolgreicher Leichtathlet im Stabhochsprung und schaffte es 2000 zu den Olympischen Spielen nach Sydney. Doch er war nicht glücklich! Nie startete er für die richtige Mannschaft! Um der Mann zu werden, der er innerlich war, beendete er seine sportliche Laufbahn und ließ alles los. Heute, acht Jahre nach seiner Hormontherapie und der geschlechtsangleichenden Operation, hilft er anderen Menschen ihr persönliches Glück zu finden. Wir sitzen da, jeder in seiner Bahn, machen Halt auf unseren Wegen und beginnen ein Gespräch.

 

Balian, warum ist es dein Anliegen, dass die Menschen glücklich sind?

 

Ich glaube glücklich sein ist die Grundbasis von allem! Wenn du nicht in deiner Mitte bist, hat alles andere keinen Wert. Möglicherweise bekommst du sogar psychische oder körperliche Probleme. Unser Körper gibt uns ständig Signale und sagt uns was gerade schief läuft. Alles äußert sich in uns! Ob man zuviel arbeitet oder Kummer hat. Ich denke jeder Mensch sollte in erster Linie bei sich anfangen und zu sich finden. Jeder, und das behaupte ich felsenfest, wird im Beruf und im Privatleben erfolgreich sein, wenn er mit sich in Harmonie lebt.

 

Weshalb sind viele Menschen unglücklich?

 

Unser Unglück ist zum Teil ein Luxusproblem. Wir Deutsche klagen auf hohem Niveau. Trotzdem sollten wir diese Probleme nicht einfach unter den Teppich kehren. Das passiert in unserer Gesellschaft häufig. Wir sprechen nicht darüber wenn es uns schlecht geht, jemand Depressionen hat oder mitten im Burn Out steckt. Ich bin davon überzeugt, dass es immer eine Lösung gibt. Manchmal müssen wir nur genauer hinschauen. Oftmals kümmern wir uns nicht genug um unseren Körper. Wir haben zu wenig Bewegung, ernähren uns ungesund oder uns fehlt die Entspannung. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die wichtig sind um ein glückliches Leben zu führen.

 

Viele wissen gar nicht was ihnen gut tut oder wer sie sind. Was ist der Grund?

 

Ich glaube, wenn wir geboren werden sind wir in unserem intuitiven Sein. Kinder denken nicht darüber nach wer sie sind. Die negativen Konditionierungen werden im Laufe der Zeit anerzogen und viele Glaubenssätze stimmen nicht. Der Vater sagt dir, dass du ein toller Handwerker bist, aber in Wirklichkeit bist du ein Musiker. Wir verlernen wir selbst zu sein. Diese Suche nach dem Glück ist universell. Doch sie lohnt sich, weil du automatisch zu dir und zu deinem Kern zurück kehrst.

 

 

Kinder stehen heute auch oft unter Stress und haben wenig Zeit sich kreativ zu entfalten. Wie siehst du das?

 

Ich bin häufig an Schulen unterwegs. Dort mache ich nicht nur Aufklärungsarbeit, sondern biete Schulklassen auch Vorträge zu den Themen „Was ist Glück“ und „Was ist Erfolg“ an. In einigen Schulen gibt es bereits das Unterrichtsfach „Glück“. Es geht nicht nur darum, dass mich eine Eins in Mathe glücklich macht und nur die Leistung zählt. Später macht es mich auch nicht glücklich, wenn ich der oberste Boss bin und gar keine Zeit mehr für die Familie und Freunde habe. Wir brauchen in jedem Lebensbereich eine Balance und wenn wir die nicht haben geraten wir körperlich, seelisch und geistig aus unserem Gleichgewicht. Auch Hobbies werden heute nach einem strengen Plan ausgelebt. Aus meiner Kindheit kenne ich diesen Freizeitstress nicht. Ich bin auf Wiesen spaziert und habe den Bauern Äpfel geklaut. Heute ist alles wenig intuitiv, dafür vorhersehbar und geplant. Ich finde es sehr wichtig, dass wir unseren Kindern ein freies Lebenskonstrukt bieten.

 

In welche Richtung wird sich diese Generation entwickeln?

 

Auszubildende sagen ihrem Arbeitgeber schon konkret, dass ihnen die Freizeit wichtiger ist als das Geld. Ich glaube daher, dass der Trend langläufig zu einer gesünderen Work-Life-Balance geht. Wir brauchen die Freizeit, um einen Ausgleich zur stressigen Arbeitswelt zu schaffen. Wenn das nicht geschieht, kommen die ersten Krankheitssignale, gefolgt von Burn-Out oder Depression. Viele gehen ganz klassisch in Rente und der Herzinfarkt oder der Schlaganfall steht vor der Tür. Und das nur weil man vierzig Jahre lang seine Emotionen unterdrückt und keine Freizeit genießt.

 

 

Inwiefern inspirierst du Menschen durch deine persönliche Geschichte?

 

Durch meine Lebensgeschichte verstehen die Menschen etwas Grundlegendes über Identität. Durch den Sport habe ich sehr gut verdient und konnte mir alles leisten. Ich hatte treue Freunde, eine verständnisvolle Familie und immer tolle Frauen an meiner Seite. Schon in jungen Jahren hatte ich alles was man sich im Außen aneignen kann. Aber ich war nicht glücklich! Für mein eigenes, persönliches Glück war ich bereit alles loszulassen. Das war mein Schlüssel! Ich kann heute sagen, dass ich bei mir angekommen bin und das wünsche ich jedem Menschen!

 

Du sagst dafür braucht man Mut. Weshalb ist das deiner Meinung nach so?

 

Ich glaube, dass es ohne Mut nicht funktioniert. In unserer Gesellschaft darfst du nicht aus der Reihe tanzen und auffallen erst recht nicht. In unserer Kultur ist es maßgeblicher was die Nachbarn sagen. Wir hören nicht auf den Ruf des Herzens. Ich glaube nach unserem Gefühl zu leben wird immer wichtiger, denn ignorieren wir unsere Wünsche und Gefühle können Krankheiten entstehen. Wenn du das Leben des Nachbarn oder das deiner Eltern lebst, wirst du früher oder später auch krank, weil es nicht dein Leben ist.

 

Du bietest organisierte Reisen an. Was nehmen die Leute mit, die dich begleiten?

 

Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Menschen auf meinen Reisen große mentale Sprünge machen. Ganz gleich, ob das mein Persönlichkeitsentwicklungs-seminar auf Mallorca oder die Wüstenreise ist. Wenn du zehn Tage von zu Hause, dem Alltag, der Partnerschaft, der Familie und auch von belastenden Dingen weg bist, erfährst du Stille und findest wieder zu dir. Was glaubst du passiert, wenn du dich nur mit dir selbst beschäftigst oder dich mit Menschen umgibst, denen es um das Wesentliche geht? Du tankst wieder auf! Jeder kommt von einer solchen Reise verändert zurück.

 

Du hast bereits deine Biographie veröffentlicht und ein Buch über die Unterschiede von Frauen und Männern geschrieben. Dein drittes ist gerade in Arbeit. Worüber handelt es?

 

Ich habe sehr viele Ammenmärchen über Ernährungslügen analysiert, Studien dazu entdeckt, auch Interviews mit Ärzten und Wissenschaftlern geführt. Superfoods und Clean Eating/Living sind große Themen. Mit der richtigen Dosis und in der richtigen Kombination können Lebensmittel, die uns die Natur zur Verfügung stellt, sogar Krankheiten heilen. Der erste große Bereich des Buches ist aber die Selbstfindung. Ohne die merkst du nicht was dir gut tut. Es gibt aber noch zwei weitere Aspekte für ein gesundes Leben. Das eine ist die Bewegung und das andere die Entspannung. Es wird also ein Allroundbuch der ganzheitlichen Gesundheit.

 

Aus den Medien hast du dich zurück gezogen. Möchtest du wieder präsenter werden?

 

Ich habe mich bewusst von den Medien zurückgezogen. In den Printmedien und gerade im Fernsehbereich geht es oftmals nicht um diese Selbstfindung. Das ist denen zu langweilig! Die wollen Sensation, Streit und Reibung. Im Prinzip wollen die all das, was der gesunde Mensch nicht möchte. Die Medienwelt ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn ich mein neues Buch auf den Markt bringe, werde ich natürlich auf PR-Reise gehen. Das gehört dazu, aber ich suche mir meine Medien bewusst aus. Ich weiß wer seriös ist und wem es um den Menschen und das Glück geht. Ich weiß aber auch wen ich meiden werde.

 

Welche Botschaft gibst du meinen Lesern mit auf den Weg?

 

Das ist eine schöne Frage! Das allerwichtigste ist, dass man auf sein Herz hört. Das man wirklich darauf hört was tut mir gut und was wünsche ich mir für mein Leben. Irgendwann merken viele, dass sie eigentlich etwas ganz anderes möchten, trauen sich aber nicht aus ihrem sicheren Konstrukt und der Komfortzone heraus. Mein Slogan ist: Der Weg zur Freiheit ist der Mut. Wenn du mutig bist, dann wirst du deine persönliche Freiheit finden und das wünsche ich jedem Menschen!

 

Das Interview mit Balian Buschbaum führte Alexandra in Mainz.

 

Vielen lieben Dank Balian, dass du dir die Zeit für unser Gespräch genommen hast. Danke auch, dass du von deinen Erfahrungen berichtest und dein Wissen mit uns teilst!

 

 

Mehr Infos über Balian Buschbaum, seine Seminare und Bücher findet ihr auf seiner Homepage:

 

www.balian-buschbaum.de

 

 

Zur Person:

Balian Buschbaum wurde 1980 in Ulm geboren. Worte und Taten sind sein Handwerk. Als Autor, Business- & Lifecoach arbeitet er deutschlandweit mit Unternehmen, hält Seminare und leitet Workshops. Dabei stehen Mitarbeiter Entwicklung, Glück, Gesundheit und Körpersprache an erster Stelle. Regelmäßig organisiert er Persönlichkeitsentwicklungsreisen und begleitet Menschen auf ihrem beruflichen und privaten Weg. Seine Bücher "Blaue Augen bleiben blau - mein Leben" und "Frauen wollen reden, Männer Sex" sind beim Fischer Verlag erschienen.


Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #3

    miriam (Donnerstag, 15 Oktober 2015 23:26)

    Ein sehr schönes Interview. und es stimmt..man achtet einfach zu sehr auf die Meinung anderer Leute. Es ist aber auch nicht immer leicht dass zu finden was einem glücklich macht.

  • #2

    Anna (Donnerstag, 15 Oktober 2015 14:08)

    Wow, ein tolles Interview, Alexandra!
    Balian ist wirklich jemand, der genau weiß, wovon er spricht und sehr authentisch rüberkommt - auch auf den tollen Fotos. Was mir mal wieder bewusst wird, ist die Tatsache, wie normal es für uns ist, dass wir uns von unserer Arbeit "erholen" müssen. Wenn wir etwas arbeiten würden, das uns Kraft anstatt Stress gibt, wäre das doch aber nicht der Fall... Dem Konzept von "Lebe Balance" und Co. kann ich daher nicht viel abgewinnen. Das bedeutet doch, dass ich all meine Freizeit damit verbringe, mich zu erholen, um dann wieder "funktionsfähig" in der Arbeit zu sein. Wie siehst du das?
    Ganz liebe Grüße
    Anna

  • #1

    Josefine (Freitag, 09 Oktober 2015 15:40)

    tolles Interview