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Harald Lesch: "Technik löst die Probleme, die wir ohne sie gar nicht hätten!"

Harald Lesch

Harald Lesch im Gespräch | Fotos © Studio 157

Mit seinen Büchern und Sendereihen bringt Prof. Dr. Harald Lesch komplexe naturwissenschaftliche und philosophische Sachverhalte einem breiten Publikum verständlich näher. Fragen über den Urknall, das Weltall und das Leben beantwortet er informativ und weckt mit seiner humorvollen Art stets die Neugierde für den interstellaren Raum. Er moderiert unter anderem die Sendungen Leschs Kosmos und Frag den Lesch im ZDF. Wir trafen den Astrophysiker und Naturphilosophen im Rahmen der vierten Phil.Cologne.
 
Das Philosophiefestival Phil.Cologne fällt dieses Jahr in eine Zeit großer Umbrüche. Herr Professor Lesch was genau ist Zeit?
 
(lacht) Wenn ich das genau wüsste, würde ich es Ihnen nicht sagen, dann würde ich es aufschreiben. Nein, Spaß beiseite! Für einen Physiker ist Zeit erst einmal Uhrzeit, also gemessene Zeit. Die Relativitätstheorie handelt nur von der Relation, also von dem Verhältnis zweier Uhren. Wenn sich eine Uhr schneller bewegt als die andere oder sich in der Nähe von schweren Körpern befindet, vergeht die Zeit interessanterweise langsamer. Sie fragen aber nach der Zeit, die uns besonders wichtig ist, nämlich unsere eigene! Das ist natürlich eine ganz andere Geschichte! Wir werden alle älter und unsere Zeit läuft irgendwann ab. Dieses Gebiet wird in der Physik von der Thermodynamik behandelt. Wir wissen, dass eine Tasse mit heißem Kaffee kühler wird. Zeit hat somit etwas mit Veränderung zu tun. In der kosmischen Dimension breitet sich das Universum aus und kühlt dabei ab. Wir haben einen kosmischen Zeitpfeil und ganz verschiedene Facetten von Zeit. Die uns aber besonders berührt, ist tatsächlich unsere eigene Zeit, und die spüren wir nicht wie eine Uhr, sondern unregelmäßig. Zeiten können extrem schnell, andere überhaupt nicht vergehen. Insofern ist sie ein Mysterium. In den Naturwissenschaften hat es sich inzwischen tatsächlich eingebürgert, die Zeit daran festzumachen, dass sie ein Maß für Veränderungen ist. Es gibt immer wieder Leute, die nach Zeitreisen fragen, und da muss man leider sagen, dass genau diese Thermodynamik, also die Lehre von der Wärme und der Temperatur, uns sagt, dass keine Zeitreisen möglich sind. Bei jedem Wort, das wir sagen, müssen wir uns überlegen, welche Auswirkungen es hat, denn wir können es nie wieder zurücknehmen!

 

 

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Zur Person:

Harald Lesch wurde 1960 in Gießen geboren. Er ist Professor für theoretische Astrophysik an der LMU München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie in München. Als Fernsehmoderator bei alpha Centauri, einer Sendereihe bei BR-alpha, wurde er einem größeren Publikum bekannt. Heute moderiert er unter anderem Leschs Kosmos und Frag den Lesch im ZDF. Er ist außerdem als Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist tätig.