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Matthias Horx: "Die Gesellschaft der Zukunft bleibt analog!"

Matthias Horx im Gespräch | Fotos © Martin Joppen

Matthias Horx ist einer der renommiertesten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. „Zukunft wagen - Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren“ heißt sein aktuelles Buch. Wir treffen den 61-jährigen in Frankfurt in der Villa Kennedy. Im Interview spricht er über gesellschaftliche Ängste, zukünftige Technologien und warum der Mensch trotz Digitalisierung ein analoges Wesen bleiben wird.

 

Herr Horx, als Trend- und Zukunftsforscher beschäftigen Sie sich mit der Welt von morgen. Woraus setzen sich unsere Zukunftsbilder zusammen und von welchen Illusionen werden sie geprägt?

 

Die Klischees über das Morgen sind durch die Dialektik von Wunsch und Angst geprägt. Der klassische positive Zukunftsentwurf ist die technische Erlösung. Vom Flugauto über die Weltraumfahrt bis hin zu der Idee, dass uns eines Tages Computer erlösen und unsterblich machen. Das war schon in meiner Kindheit, in den 60er Jahren, der Fall. Das Gegenbild zu dieser positiven Utopie ist die Vorstellung vom Weltuntergang, der globalen Katastrophe und der sozialen Dystopie. Wir brauchen diese Vereinfachungen, weil das Gehirn nur signifikante Bilder abbilden kann. In der wahren Zukunftsforschung lernt man, dass sich Zukunft wie ein Puzzle zusammen setzt und sehr komplex ist. Sie ist ein großes Durcheinander und das ist gut so! Es ist das Wesen der Komplexität, dass sich die Dinge nicht in Linearitäten entwickeln. Begehrt und wahrgenommen werden aber eben diese Klischees.

 

In den meisten Berichterstattungen ist die Zukunft von Katastrophen, Weltuntergangsszenarien und Ängsten geprägt. Rein statistisch gesehen geht es uns jedoch immer besser. Warum haben wir so wenig Vertrauen in das was kommen mag?

 

Zunächst handelt es sich um ein überwiegend deutschsprachiges Phänomen. Zukunftsängste sind in unserer Kultur tief verankert. Das liegt daran, dass wir mit dem zweiten Weltkrieg eine gesellschaftliche Dystopie erlebt haben. Unsere Kultur ist traumatisiert und wir erwarten immer das Schlimmste. Es gibt jedoch auch einen narzisstischen Nutzen des Weltuntergangs. Wer das große Untergangsgemälde an die Wand malt, hat eine enorme Deutungsmacht und kann andere Menschen manipulieren. Glaubt man zum Beispiel an den Orwellschen Überwachungsstaat, der jetzt mit dem digitalen Zeitalter auf uns zukommt, gibt man seiner Staatsangst eine moderne Gestalt. Dystopien haben einen großen Wiedererkennungswert, einen hohen Nutzen und auch einen hohen Geldwert.

 

 

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Zur Person:

Matthias Horx wurde 1955 in Düsseldorf geboren. Er ist einer der renommiertesten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Nachdem er als Journalist unter anderem für „die Zeit“ tätig war, gründete er zur Jahrtausendwende das „Zukunftsinstitut“ mit Sitz in Frankfurt a.M. und in Wien. Er berät Unternehmen, Institutionen und lehrt als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen. In den letzten Jahren veröffentlichte er zahlreiche Bestseller. Sein aktuelles Buch „Zukunft wagen - Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren“ ist im Pantheon Verlag erschienen.