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Yves Bossart: "Wir müssen lernen, zu zweifeln!"

Yves Bossart im Gespräch | Fotos © SRF | Oscar Alessio

Seit Anfang 2017 moderiert Yves Bossart abwechselnd mit Barbara Bleisch die Sendung „Sternstunde Philosophie“ im SRF und 3sat. Seine große Leidenschaft ist es, Philosophie mit dem Alltag zu verbinden. Er hält zahlreiche Vorträge und ist als Experte ein gern gesehener Gast, denn er vermittelt die großen Fragen auf verständliche Art und Weise. Mit seinem Buch „Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern“ beschäftigt sich der promovierte Philosoph mit Gedankenexperimenten. Wir treffen den 33-jährigen in einem Restaurant in Zürich. Mit Blick auf den See und die Alpen sinniert er über Gehirne im Tank, Erfahrungsmaschinen und die Digitalisierung. Es macht großen Spaß ihm dabei zu folgen.
 
Yves, du sagtest einmal, dass wir die Philosophie in turbulenten Zeiten wie heute mehr denn je brauchen. Inwiefern kann uns das Nachdenken über die großen Fragen Orientierung bieten?
 
Es gibt mehrere Gründe. Der erste Grund, warum die Philosophie derzeit boomt, ist, dass die Säkularisierung eine Lücke hinterlassen hat. Die Religion hat an Wichtigkeit verloren, trotzdem sind die Fragen noch da. Woher kommen wir, wohin gehen wir, was soll das Ganze? Diese Sinnfragen stellen wir uns und die Philosophie kann uns helfen, eigenständig darüber nachzudenken. Der zweite Grund ist, dass wir so viele Freiheiten haben wie noch nie. Wir können unglaublich viele Entscheidungen treffen, wie wir leben möchten. Wenn dein Vater früher Schuster war, dann wurdest du eben auch Schuster und brauchtest keine großen Entscheidungen treffen. Heute müssen wir uns fragen, wer bin ich, was ist mir wichtig im Leben, wo will ich hin? Ein dritter Grund ist, dass der ganze technologische und medizinische Fortschritt neue Möglichkeiten schafft, etwa mit sechzig Kinder zu kriegen oder zu bestimmen, ob jetzt mein Baby blaue Augen haben soll oder nicht. Das bringt lauter ethische Probleme mit sich. Philosophie dient als Orientierung in Zeiten, die sehr dynamisch sind, neue Möglichkeiten entstehen und der Halt und die Übersicht fehlen.
 
Seit Anfang diesen Jahres moderierst du die „Sternstunde Philosophie“ im SRF. Vor der Kamera führst Du mit verschiedenen Persönlichkeiten tiefgehende Gespräche. Sind deine Gäste auch gleichzeitig deine Vorbilder?
 
Zumindest die bisherigen Gäste waren alle in gewisser Weise Vorbilder für mich. Es ist immer ein persönliches Interesse an der Person vorhanden, eine Leidenschaft und Neugierde auf den Menschen. Als Journalist muss man natürlich auch eine kritische Distanz haben und die Meinungen reflektieren. Schöne Gespräche sind es dann, wenn sie mich verzaubern, ich danach ein anderer Mensch bin oder anders danach lebe.

 

 

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Zur Person

Yves Bossart wurde 1983 geboren. Er studierte Philosophie, Musikwissenschaft und Geschichte in Luzern, Zürich und in Heidelberg. In Berlin promovierte er an der Humboldt-Universität über das Thema „Ästhetik nach Wittgenstein“. 2014 erschien sein Buch „Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern – Philosophische Gedankenspiele“ im Karl Blesing Verlag. Seit Anfang 2017 moderiert er die „Sternstunde Philosophie“ auf SRF. Mit seiner Frau und seiner Tochter lebt der promovierte Philosoph und Lehrer für Philosophie in Zürich.