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Gero von Boehm: "I am proud to be European!"

Gero von Boehm

Gero von Boehm im Gespräch | Fotos © Benno Kraehahn

Wir begegnen dem Regisseur, TV-Produzenten und Autor Gero von Boehm in seiner großzügigen Altbauwohnung in Berlin. Im Interview spricht der 63-jährige über die "Europa-Saga", die Ende letzten Jahres im ZDF ausgestrahlt wurde und im Zeitalter von YouTube jeweils 4,5 Millionen Zuschauer vor die Fernsehbildschirme lockte. Gemeinsam mit dem Historiker Sir Christopher Clark bereiste er für die sechsteilige Serie unseren Kontinent, brachte eindrucksvolle Bilder und neues Wissen mit. Während des weiteren Gespräches über seine Kindheit und die Anfänge seiner Karriere strahlt von Boehm eine beruhigende Gelassenheit und Ruhe aus. In unserer hektischen und turbulenten Zeit eine äußerst angenehme Eigenschaft.


Herr von Boehm, wenn Sie für heute Abend einen Wunsch frei hätten, wen würden Sie gerne spontan treffen? Die Queen, den Papst oder Donald Trump?


Auf jeden Fall den Papst! Der interessiert mich am meisten! Ich weiß nicht genau ob er ein genialer PR-Mann ist, oder ob er es ernst meint mit einer gewissen Reform der katholischen Kirche, die doch der letzte Kitt in dieser Welt ist. Wenn wir das verlieren, wird die Welt noch chaotischer! Es ist eine Bastion, die es noch gibt und ich würde gerne wissen, ob er wirklich bereit ist von bestimmten harten Positionen der katholischen Kirche wegzugehen um Boden für eine andere Generation von Kardinälen zu bereiten. Auch als Typus würde er mich interessieren. Er verkörpert vieles was wir christlich nennen, wie Gefühl und Bescheidenheit. Nach Karol Wojtyla, also Johannes Paul II., ist er eigentlich ein toller Typ und ich frage mich, ob er das wirklich ist oder nur spielt. Im Augenblick ist es notwendig die Menschen ein bißchen zu beruhigen!


Was wäre die erste Frage, die Sie ihm stellen würden?


Über die erste Frage denke ich meistens einen ganzen Tag nach. Sie ist deshalb so wichtig, weil Sie den Ton in einem Gespräch vorgibt. Öffnet man den Menschen oder macht man ihn gleich zu. Wie gehe ich vor und wie kann ich erst einmal sein Interesse an mir wecken? Das muss er ja haben, wenn er tolle Antworten geben soll. Deshalb denke ich darüber leider immer sehr lange nach.


Neben sehr intensiven Gesprächen drehen Sie auch spannende Dokumentationen. Gerade lief beim ZDF die 6-teilige „Europa-Saga“ mit Sir Christopher Clark. Gemeinsam reisten Sie quer durch Europa und erzählten die europäische Geschichte von der Steinzeit bis heute. Was war für Sie persönlich das Faszinierendste, das Sie über Europa erfahren haben?


Ich habe erfahren, dass Europa ein Kontinent ist, der von Anfang an immer komplett in Bewegung war. Völker kamen, Völker gingen. Es gab Kriege und Frieden. Von Europa ist alles ausgegangen, was in dieser Welt von Bedeutung ist. An Gutem, wie an Bösem. Es gab die Entdecker genauso wie die Eroberer und es gab eine ständige Bewegung und ungeheure Konkurrenz. Die Spanier nahmen sich das Land, dann kamen die Portugiesen und nahmen sich ein anderes Stück von Südamerika. So ging das immer weiter und das müssen wir bedenken, wenn wir heute über Migration reden. Im Grunde ist das kein Ausnahmezustand. Schon in der Steinzeit kamen die Völker über die Savanne aus Asien nach Europa. Alle wollten immer auf diesen kleinen Kontinent.

 

 

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Zur Person

Gero von Boehm ist Journalist, Autor, Regisseur und TV-Produzent. Er wurde 1954 in Hannover geboren und wuchs in Heidelberg auf. Nach seinem Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften arbeitete er für den Hörfunk des WDR, SWF und den Deutschlandfunk. Schon während des Studiums schrieb er für „Die Zeit“. Im Jahr 1975 drehte er seinen ersten Dokumentarfilm und gründete gemeinsam mit seiner Frau Christiane die Produktionsfirma „interscience film“.