Lesung mit Christine Westermann - Manchmal ist es federleicht

Modernes Leben | 20.04.2018

Lesung mit Christine Westermann "Manchmal ist es federleicht"


Christine Westermann liest aus ihrem neuen Buch "Manchmal ist es federleicht" | Foto © Redaktion

Moderatorin Christine Westermann präsentierte letzten Freitagabend den 13. April 2018 ihr neues Buch „Manchmal ist es federleicht“ in Kerpen-Horrem. In der Nähe ihrer Heimatstadt Köln, die sie kurzerhand zum Vorort erklärte, las sie aus ihrem Bestseller, der von kleinen und großen Abschieden handelt. Diese waren für die Autorin einst mit Angst besetzt und deshalb begegnete sie Verlusten entweder mit Humor oder Verdrängung. Heute, mit 69 Jahren, hat sich ihr Umgang mit Abschieden verändert. Es gelingt ihr leichter und immer öfter sogar federleicht. Westermann, die sich auf Lesereise befindet, unterhielt das ausverkaufte Soziokulturelle Zentrum mit großem Charme und Witz. Neunzig Minuten lang lauschten die zum größten Teil weiblichen Zuschauer gebannt ihren Erzählungen.

 

Kann man Abschiednehmen nun lernen? Das war die zentrale Frage, die während der Lesung im Raum stand und das Publikum interessierte. Wie kommt man damit klar, wenn einen geliebte Menschen verlassen? Soll man eine Stadt hinter sich lassen, um neu zu beginnen? Wie ist es, wenn die eigene Schönheit langsam verblasst? Die auf den ersten Blick ernsten Themen wurden mit kurzweiligen Anekdoten geschmückt. Westermanns lockere und humorvolle Erzählweise regte das Publikum nicht nur zum Nachdenken an. Es war mindestens genauso viel Leichtigkeit zu spüren und eine große Portion Selbstironie von Seiten der Autorin.

 

Trotz der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, hat sie selber nicht ganz die Furcht vor Verlusten verloren. Jedoch lernte sie mit den Jahren ihnen mit Mut zu begegnen und Veränderungen zu akzeptieren. Sie ist außerdem der Meinung, dass das Abschiednehmen im Alter zu einer geübten Praxis wird. Ein positiver Aspekt, wenn Schönheit und Beweglichkeit nachlassen. Ein Ratgeber soll ihr Buch jedoch nicht sein, das betonte Westermann ausdrücklich. Wie man mit Verlusten umzugehen habe, das müsse jeder für sich selber entscheiden. Jedoch sei es möglich, dass der ein oder andere Denkanstoß für die Leserinnen und Leser dabei ist. Die Autorin sieht ihre Rolle lieber als Navigator. So nennt sie sich auch selbst, wenn sie von den Büchern spricht, die sie in verschiedenen TV- und Radiosendungen empfiehlt und die danach nicht selten ganz oben auf den Bestseller-Listen zu finden sind.

 

 

Von einer besonderen Verabschiedung sprach sie am Schluß der Lesung. Die Rede ist von „Zimmer frei“. „Zur letzten Sendung komme ich nicht!“ Das hatte Christine Westermann schon Jahre vor der letzten Ausgabe angekündigt. Ihre Angst vor Abschieden saß zu diesem Zeitpunkt immer noch tief und die Furcht vor dem was wohl danach kommt, war noch größer. Im September 2016 war es dann soweit und sie stand nach zwanzig Jahren das letzte Mal mit ihrem Kollegen Götz Alsmann für das Format vor der Kamera. Am Schluss machte sie sich jedoch mehr Sorgen um ihn und passte auf, dass er nicht die Fassung verlor. Nach der gelungenen letzten Sendung wurde es jedoch nicht ruhiger! Neue TV-Produktionen und die Mitgliedschaft in verschiedenen Jurys ließen keine Langeweile aufkommen. Unbewusst hatte Westermann das sicher schon geahnt. Bereits in ihrem, im Jahr 2013 veröffentlichten Buch „Da geht noch was – Mit 65 in die Kurve“ hatte sich die Autorin mit dem Alter auseinander gesetzt und was noch alles kommen kann. Während ihrer vielen Gedanken kam sie außerdem zu der Erkenntnis, dass mit dem Älterwerden und Abschiednehmen auch schöne Dinge passieren können. Eines davon ist die Tatsache, dass man Weisheit erlangt.

 

Die Veranstaltung im Soziokulturellen Zentrum wurde durch eine Kooperation zwischen der Volkshochschule Bergheim und dem Buchladen Wortreich in Horrem realisiert. Die Verantwortlichen waren sehr glücklich die Moderatorin für ihr Event gewinnen zu können. Im Anschluss signierte Christine Westermann noch zahlreiche Bücher. Für jeden, der einen besonderen Wunsch hatte, nahm sie sich sehr viel Zeit. Für die Besucher standen Getränke bereit und viele blieben noch bis in die späten Abendstunden. Doch irgendwann mussten alle von der gelungenen Veranstaltung Abschied nehmen. Wohl aber mit dem guten Gefühl, dass es zum Leben dazugehört und danach etwas Neues kommt. Und wem es dennoch schwer fiel oder jemand noch etwas in Erinnerungen schwelgen möchte, der kann jederzeit wieder zum Buch greifen, das sich seit einigen Wochen hartnäckig in den Bestseller-Listen hält.

 

Christine Westermann ist Autorin, Moderatorin und Journalistin. Sie wurde 1948 in Erfurt geboren. Nachdem sie im ZDF die Sendungen „Drehscheibe“ und „Freizeit“ moderierte, stand sie für die „Aktuelle Stunde“ und das „Sonntagsmagazin“ beim WDR vor der Kamera. Gemeinsam mit Götz Alsmann moderierte sie zwanzig Jahre lang die erfolgreiche Sendung „Zimmer frei“, die ebenfalls im WDR ausgestrahlt und mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Sie ist Mitglied im literarischen Quartett und stellt in verschiedenen Formaten Bücher vor, die ihr am Herzen liegen. Ihr fünftes und aktuelles Buch „Manchmal ist es federleicht“ ist im September 2017 beim KiWi Verlag erschienen.

 

Christine Westermann's neues Buch "Manchmal ist es federleicht" | Foto © Redaktion