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Tiny Town Urania

Tiny House auf 6,4 Quadratmetern | Foto © Van Bo Le-Mentzel     

Die Stadt von Morgen wird meistens als Smart City dargestellt. Die positive Version zeigt Hochhäuser mit begrünten Dachflächen und elektrisch sowie autonom fahrenden Autos. Windkraftanlagen sind im Hinterland zu sehen. Die Dystopie einer voll digitalisierten Welt wird von Kameraüberwachung, Datenerfassung und einer Weltherrschaft an sich reißenden künstlichen Intelligenz geprägt. Doch wie wollen wir wirklich leben und wie könnte bezahlbarer Wohnraum in Megastädten der Zukunft aussehen?

 

In Berlin Schöneberg stellen sich kreative Köpfe diese und viele weitere Fragen des Zusammenlebens. Entstanden ist das Tiny Town Urania, ein Dorf, das sich mitten in der Hauptstadt befindet und aus Tiny Houses besteht. Initiiert wurde das Projekt von dem Architekten Van Bo Le-Mentzel. Er hatte die Idee einen Ort zu erschaffen, an dem nicht nur über visionäre Wohn- und Arbeitsmodelle nachgedacht wird, sondern sie auch gleich in der Praxis erprobt werden. Und das besondere ist, dass dieses Dorf über Nacht entstehen, aber auch wieder verschwinden kann, denn die kleinen Gebäude befinden sich auf Rädern und können wie ein Anhänger transportiert werden. Auch auf fließendes Wasser sind sie nicht angewiesen. Kleine Solaranlagen sind sogar in der Lage genügend Strom zu erzeugen.

 

Wie in einem richtigen Dorf, sind in den Gebäuden die unterschiedlichsten Nutzungen unterbracht. Ob Café, Bibliothek, Schule oder Wohnhaus, hier ist ein Standort des gemeinsamen Miteinanders entstanden. Damit ein reger Austausch stattfinden kann, wurden Anlässe geschaffen. Neben einem Tiny Restaurant in einem Food Truck gibt es auch ein Co-Working Space, sowie eine Ausstellung. Diskutiert werden primär die Themen Städte der Zukunft und alternative Wohnmöglichkeiten.

 

 

Das künstlerische Experiment inspiriert nicht nur Städteplaner, Studierende, Künstler, und junge Wissenschaftler. Immer mehr Menschen, stehen kritisch zur Konsumgesellschaft und fragen sich, was man wirklich zum Leben braucht. Zu den Besonderheiten des Dorfes gehören daher neben den vielfältigen Angeboten vor allem die Bau-Workshops. Hier entstehen nicht nur Do-It-Yourself Möbel, sondern auch die Tiny Houses. Bereits ab 10.000 Euro ist es möglich sein neues Eigenheim unter Anleitung selbst zu bauen.

 

Die Bewegung der Minihäuser stammt ursprünglich aus den USA und findet auch hierzulande immer mehr Interessenten. Rechtlich gesehen, gibt es jedoch noch einige Hürden, denn ein solches Haus darf hierzulande nicht überall abgestellt werden. Sobald sie fahrbar sind, dürfen sie außerdem eine Höhe von vier Metern und eine Breite von 2,55 Metern nicht überschreiten. Auch ein maximales Gewicht von 3.500 Kilogramm ist vorgeschrieben. Wer daher den Aufwand noch scheut, aber gerne einmal in einem Tiny House Probeschlafen möchte, bekommt ebenfalls die Gelegenheit dazu. Ab 100 Euro die Nacht stehen 6,4 Quadratmeter mit Dusche und Toilette auf dem Gelände zur Verfügung.

 

Weitere Informationen über das Tiny Town Urania, das vielfältige Programm, die Führungen und Workshops sind auf der offiziellen Webseite zu finden.

 

Webseite: tinytownurania.strikingly.com